NEUES BAUWERK DIGITAL GEBORGEN: Der Münchner Glaspalast ist online seit dem 3. Mai. Viel Spaß beim Entdecken!

Der

Münchner 
Glaspalast

Der Münchener Glaspalast ist ein Pionierbau des industriellen Zeitalters, dessen Tragstruktur durch Klarheit, Wiederholbarkeit und logische Fügung besticht. Die konsequente Modularität und weitgehende Vorproduktion der Bauteile – insbesondere von filigranen gusseisernen Stützen, weitspannenden Sprengwerken und Spanngittern – zeigen ein systematisches Konstruktionsprinzip, das dem modernen Stahlbau voraus war.

2 Monate

Das Eisenskelett des Glaspalastes wurde in nur zwei Monaten errichtet – bei einem Bauvolumen von weit über 150.000 m³ und mit mehr als 600 Arbeitern an Spitzentagen. Diese enorme Produktivität zeigt eindrucksvoll die herausragende Planung und Organisation des Bauprojekts.

2000 Gulden

Für die erste Woche eines Bauverzugs beim Glaspalast wären täglich 1.000 Gulden Strafe fällig geworden, ab der zweiten Woche sogar 2.000 Gulden pro Tag – eine damals enorme Summe, die heute mehreren zehntausend Euro entsprechen würde und das Bauunternehmen Cramer-Klett stark motivierte, den Zeitplan unbedingt einzuhalten.

520

Die insgesamt 520 verbauten gusseisernen Sprengwerke im Glaspalast bildeten das beeindruckende Rückgrat der Dach- und Galeriekonstruktion und trugen maßgeblich zur Leichtigkeit und Eleganz des Gebäudes bei. Trotz ihrer filigranen Erscheinung gewährleisteten sie eine herausragende Tragfähigkeit und Stabilität.

6. Juni 1931

Der Glaspalast wurde im Laufe der Zeit zum bedeutenden Treffpunkt für Künstler:innen aus aller Welt. Sein Brand am 6. Juni 1931 war eine tiefe Tragödie für die Münchner Kunstwelt und markierte den ersten einschneidenden Verlust besonderer Kunstwerke noch vor der Machtergreifung der NSDAP. Mit dem Verschwinden dieses einzigartigen Ortes endete eine wichtige Epoche der kulturellen und künstlerischen Vielfalt in München.

Der Münchener Glaspalast ist ein Pionierbau des industriellen Zeitalters, dessen Tragstruktur durch Klarheit, Wiederholbarkeit und logische Fügung besticht. Die konsequente Modularität und weitgehende Vorproduktion der Bauteile – insbesondere von filigranen gusseisernen Stützen, weitspannenden Sprengwerken und Spanngittern – zeigen ein systematisches Konstruktionsprinzip, das dem modernen Stahlbau voraus war.

Der Münchner Glaspalast

yr 1854 - 1931

  • Historischer Hintergrund
  • Nutzungsgeschichte
  • Eigentumsverhältnisse
  • Architektonische Besonderheiten
  • Die Mitte des 19. Jahrhunderts war geprägt von einem starken Glauben an technischen und wirtschaftlichen Fortschritt. Auch Bayern strebte danach, seine Innovationskraft und wirtschaftliche Stärke zu demonstrieren. Der Bau des Münchner Glaspalastes erfolgte daher unmittelbar nach der Weltausstellung in London 1851 und war stark vom Crystal Palace inspiriert.
  • Der Münchner Glaspalast diente zunächst als Ausstellungshalle für Industrie-, Kunst- und Gewerbeschauen, ähnlich seinem Vorbild in London. In den folgenden Jahrzehnten entwickelte er sich zu einem wichtigen Ort für zeitgenössische Kunstausstellungen, insbesondere für die Werke der Münchner Künstlergenossenschaft. Obwohl der Bau nur temporär geplant war, blieb er doch über 77 Jahre bestehen und entwickelte sich zu einem zentralen Forum für zeitgenössische Kunst in Bayern und darüber hinaus.
  • Der Münchner Glaspalast war zur Zeit seiner Fertigstellung im Besitz des Königreichs Bayern unter der Führung seines Königs Maximilian II. und ab 1919 im Besitz des Freistaats Bayern.
  • Der Glaspalast bestand aus einer damals hochmodernen Kombination aus Glas und Gusseisen, was eine schnelle Bauweise und große, stützenfreie Ausstellungshallen ermöglichte. Durch den Einsatz der vielen Glaselemente ließ die Konstruktion eine maximale Nutzung von Tageslicht zu – ein großer Vorteil angesichts der schlechten künstlichen Beleuchtung zur damaligen Zeit. In den Gusseisernen Stützen waren Wasser Leitungen integriert, welche das anfallende Regenwasser der Dachflächen geschickt ableiteten.
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Tauche ein in das Tragwerk des Münchner Glaspalasts

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Geometrie des Glaspalastes
Das statische Grundkonstrukt
Das Spanngitter
Das Sprengwerk
Die Stützen
Queraussteifung
Das Entwässerungssystem
Die Bauphase

Geometrie des Glaspalastes

Das statische Grundkonstrukt

Das Spanngitter

Das Sprengwerk

Die Stützen

Queraussteifung

Das Entwässerungssystem

Die Bauphase

Geometrie des Glaspalastes

Das statische Grundkonstrukt

Das Spanngitter

Das Sprengwerk

Die Stützen

Queraussteifung

Das Entwässerungssystem

Die Bauphase

Geometrie des Glaspalastes

Der Grundriss des Glaspalasts basiert auf einer klaren, axialen Ordnung. Der gesamte Bau ist symmetrisch zur Hauptlängs- und zur Hauptquerachse ausgerichtet, was sich sowohl im Grundriss als auch in der Aufrisszeichnung ablesen lässt. Diese klare Gliederung verleiht dem riesigen Gebäude trotz seiner Länge von über 230 Metern eine überschaubare, fast modulare Lesbarkeit.
Das Erdgeschoss gliedert sich in drei parallele Schiffe – ein zentrales Hauptschiff sowie zwei seitlich anschließende Nebenschiffe. Diese Struktur erinnert an eine dreischiffige Basilika. Die einzelnen Schiffe sind durch regelmäßig gesetzte Stützenraster rhythmisiert. In Quer- und Längsrichtung ergibt sich so ein einheitliches Achsmaß von 20 bayerischen Fuß (5,84 m)
Im Obergeschoss befinden sich beidseitig Galerien, die sich wie durchlaufende Laufstege entlang der Längsrichtung ziehen. Sie werden von Spanngittern getragen und dienen nicht nur der Ausstellungsfläche, sondern auch als wichtige Elemente zur Aussteifung des Gebäudes. Der Höhenversatz zwischen Erdgeschoss und Galerieebene ermöglicht eine großräumige Staffelung des Innenraums.
Die Fassade des Glaspalasts ist durch vertikale Stützen und horizontale Träger rasterartig gegliedert. Die regelmäßige Gliederung ermöglicht den Einsatz standardisierter Glaselemente, wodurch Bauzeit und Kosten erheblich reduziert werden können. Die Transparenz des Baus macht die Struktur sichtbar – eine damals revolutionäre Idee.
Die Isometrie zeigt deutlich die hierarchische Staffelung des Baukörpers: Das Hauptschiff ragt über die Nebenschiffe hinaus, überragt wiederum vom zentralen Kuppelbau des Querschiffs. Diese vertikale Gliederung folgt funktionalen wie gestalterischen Überlegungen: Sie ermöglicht eine großzügige Belichtung und verleiht dem Bau eine monumentale Wirkung.
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Das statische Grundkonstrukt

Der Glaspalast ist ein reiner Eisenskelettbau – Stützen und Träger übernehmen die gesamte Last. Die Konstruktion ist auf Tempo ausgelegt: Vorgefertigte Bauteile und ein klares Rastersystem ermöglichten den Aufbau in wenigen Monaten: Ein klarer Vorteil gegenüber dem üblichen Mauerwerksbau.
Die Hauptträger sind exakt bemessen: Die Sprengwerke überspannen 23,35 m (80 bay. Fuß) und sind 1,25 m hoch und die Spanngitter spannen 5,84 m (20 bay. Fuß) bei 1,22 m Höhe. Die Stützen stehen doppelgeschossig, mit einer Gesamthöhe von rund 18 m im Regelbereich.
Die vertikalen Dachlasten werden über die Glasflächen an die Sprengwerke und Spanngitter geleitet. Von dort gelangen sie in die Stützen, die sie über Einzelfundamente in den Boden abtragen. Der Kraftfluss ist klar organisiert – eine Voraussetzung für das industrielle Bauen in Rekordzeit.
Gegen Windkräfte wird ein horizontaler Verband aus Eisen eingesetzt – bestehend aus schräg gespannten Rundprofilen in drei Dachebenen. Der Windverband steift die Geschoßebenen aus. Nach einem Vermerk im Plan variieren die Querschnitte der Rundeisen zwischen 9,0 - 14,6 cm² (Interpretation des schlecht leserlichen Plans)
Die Quer-Aussteifung erfolgt durch ein Rahmensystem mit sogenannter Scheibenwirkung. Sprengwerke und Spanngitter wirken wie „Zweigelenkträger auf Flächenlagern“. So können horizontale Kräfte aufgenommen werden – ganz ohne massive Wände oder zusätzliche Windverbände.
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Das Spanngitter

Die Spanngitter befinden sich unterhalb der Dachflächen sowie unter der oberen Galerie. Sie verbinden die gusseisernen Stützen im Achsrastersystem – ausgenommen an den äußeren Umfassungswänden – und funktionieren als lastsammelnde Tragglieder. Insgesamt werden 520 Stück eingesetzt.
Jedes Spanngitter besteht aus einem umlaufenden Rahmen mit T-förmigem Querschnitt, aufgeteilt durch drei senkrechte Stäbe mit kreuzförmigem Profil in vier Rechtecke. Diese Felder werden diagonal verstrebt. Die Galerietraggitter sind zusätzlich am Obergurt mit fischbauchförmigen Rippen verstärkt.
Die Spanngitter wurden in einem Guß hergestellt. Sie sind exakt 5,63 m lang und 1,17 m hoch. Sie sind so bemessen, dass sie in das 20-Fuß-Rastersystem des Gebäudes passen und sich sowohl optisch als auch statisch in das Tragkonzept einfügen. Trotz ihrer filigranen Bauweise tragen sie beachtliche Lasten.
Gußeisen verhält sich unter Druck berechenbar, unter Zug jedoch unberechenbar. Aufgrund der damaligen Berechungsmethoden wurde die Tragfähigkeit daher nicht allein rechnerisch bestimmt: Das schwerste Gitter wiegt 830 Pfund. Der Tragfähigkeitsnachweis erfolgte praktisch – durch gezielte Belastungsversuche auf der Baustelle.
Die Spanngitter wurden mit einem Prüfgewicht von 350 Zentner belastet. Entscheidend war: Nach Entlastung musste sich das Gitter vollständig zurückverformen. Die gemessene Biegung lieferte Rückschlüsse auf die Eisenqualität und erlaubte eine sichere Beurteilung vor dem Einbau.
Zur Verbindung an die Stützen werden die Spanngitter verschraubt. Dabei sorgen angegossene Knaggen an den Stützen für präzise Montage. Durch Verschraubung am Ober- und Untergurt kann eine biegesteife Rahmenecke ausgeführt werden – essenziell für die Aussteifung des Skeletts.
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Das Sprengwerk

Die Sprengwerke überspannen das Haupt- und Mittelschiff und liegen auf den 80 bay. Fuß (ca. 24 m) weit auseinanderstehenden Stützen. Sie tragen die verglasten Dachflächen und ermöglichen große stützenfreie Räume im Inneren – ein zentrales architektonisches Motiv des Glaspalasts.
Jedes Sprengwerk ist 23,14 m lang und 1,25 m hoch. Zur Regenentwässerung ist es mittig um 0,175 m überhöht. Die Struktur besteht aus schmiedeeisernen Flacheisen im Untergurt und Winkeleisen im Obergurt, dazwischen 17 gusseiserne Vertikalverbindungen und 16 gekreuzte Streben.
Die Kreuze bestehen teils aus schmiedeeisernen Flachstählen, teils aus massiven Eichenholzstreben. Verbolzt und vernietet verbinden sie die Längsglieder. Diese hybride Konstruktion aus Gusseisen, Schmiedeeisen und Holz war nicht nur funktional, sondern auch materialökonomisch gedacht.
Ein einzelnes Sprengwerk trägt ein Eigengewicht von 50 Zentnern und zusätzlich eine Nutzlast von 290 Zentnern. Die Konstruktion ist so robust ausgelegt, dass sie auch unter Volllast sicher funktioniert – dabei aber leicht genug bleibt, um die filigrane Bauweise zu wahren.
Die Sprengwerke wurden vor Ort durch gleichmäßige Belastung geprüft. Die Durchbiegung betrug dabei 19,5 Dezimallinien (4,25 mm), nach Entlastung blieb nur 1,5 Dezimallinien (0,33 mm) Restverformung. Dies bestätigte die elastische Rückverformung und die Materialqualität der verbauten Bauteile – große plastische Schäden gilt es zu vermeiden.
Ein Teil der Umfassungswand des Querbaus liegt direkt auf den Sprengwerken des Mittelschiffs. Diese können jedoch nur 240 Zentner tragen, während die tatsächliche Last mit Schnee, Dach und Mauerwerk 1400 Zentner beträgt. Um eine Überlastung zu vermeiden, wird der Großteil der Last (1160 Zentner) über ein separates Tragsystem abgetragen.
Die Umfassungswand selbst wird zu einem tragenden Howe-Träger ausgebildet. Dabei verbindet man die mittleren Wandstützen mit ihren Nachbarstützen über doppelte, diagonal verlaufende Zugbänder, die oben und unten überplattet und verschraubt sind. So entsteht ein steifes Fachwerk, das die Hauptlast selbst abträgt – unabhängig vom darunterliegenden Sprengwerk.
Damit die Howe-Träger unter Last nicht durchhängen, entwickelte Ludwig Werder eine Vorrichtung zur Vorspannung der Zugbänder. Durch diese Maßnahme bleibt die Konstruktion bei Belastung formstabil und übernimmt zuverlässig den erforderlichen Lastanteil.
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Die Stützen

Im Glaspalast kommen zwei standardisierte Stützenformen aus Gusseisen zum Einsatz. Die Außenstützen haben einen hohlen, quadratischen Querschnitt mit angegossenen Eckverstärkungen. Die Innenstützen sind achteckig mit vier vorgestellten Rundstäben. Je nach Einbauort werden verschieden lange Elemente verschraubt, um die nötige Konstruktionshöhe zu erreichen.
Die Stützen bestehen meist aus zwei oder mehr Teilen, die übereinander verschraubt werden. An den Verbindungsstellen sind Konsolen für Spanngitter und andere Bauteile bereits vorgesehen. Besonders im Bereich der Außenwände kommt ein 6 bay. Fuß hohes Zusatzstück zum Einsatz, um die Galerieebene tragfähig anzubinden.
Die Stützen werden auf gusseiserne Füße montiert, die auf insgesamt 298 Einzelfundamenten ruhen. Diese Füße haben eine rautenförmige Druckplatte mit verstärkenden Rippen und Manschetten zur Verschraubung. Integrierte Rohre führen Regenwasser in ein unterirdisches Kanalsystem.
Die Einzelfundamente bestehen aus abgetrepptem Backsteinmauerwerk. Um Höhentoleranzen im Mauerwerk auszugleichen, entwickelte Ludwig Werder eine präzise Abdrehvorrichtung: Über Hüllrohre und Schrauben kann der Stützenfuß exakt auf Niveau gebracht werden – ein innovativer Schritt für die schnelle und wirtschaftliche Montage.
Aus heutiger Sicht erscheinen die Stützen des Glaspalasts außerordentlich schlank, mit großen Knicklängen und nur begrenzter Querschnittsreserve. Durch die biegesteife Verbindung mit den Spanngittern wirken zusätzlich Biegemomente ein, was das Risiko eines Biegeknickens erhöht. In den überlieferten statischen Berechnungen sind solche Effekte kaum dokumentiert, das Problem war damals durchaus bekannt und wie sich zeigt auch korrekt betrachtet, da das Bauwerk über 75 Jahre stand.
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Queraussteifung

Jedes Tragwerk benötigt eine funktionierende Aussteifung, um seitliche Einwirkungen wie Wind standhalten zu können – so auch der Glaspalast. Die historischen Unterlagen enthalten nur fragmentarische statische Berechnungen, weshalb gewisse Interpretationen erforderlich sind. Besonders spannend ist der Blick auf das Aussteifungskonzept im Regelbereich der Längsschiffe.
Das Rahmentragwerk basiert auf einem mehrfach statisch unbestimmten System. Solche Systeme bieten hohe Tragreserven, weil sie plastische Verformungen zulassen, ohne dass das Tragwerk sofort versagt. Gleichzeitig bringen sie Unsicherheiten mit sich: Zwängungen, z. B. durch Temperaturdehnungen, lassen sich schwer berechnen und können ungewollte Kräfte erzeugen.
Im Entwurf werden zwei Anschlussvarianten des Sprengwerks an die Stützen betrachtet:
- Gelenkig gelagert, um Temperaturdehnungen aufzunehmen und die schlanken Stützen von Biegemomenten freizuhalten.
Biegesteif verbunden, wodurch ein durchgehender Rahmen entsteht – hilfreich für die Aussteifung, aber riskanter wegen
-Biegeknickgefahr.
Die tatsächliche Ausführung lässt sich nicht vollständig klären, Hinweise auf verschiebbare Schraubverbindungen im Obergurt sprechen jedoch für die gelenkige Lagerung.
Das statische System wird im Regelbereich der Längsschiffe als ein Zweigelenkbinder auf Flächenlagern angenommen. Dieses System besteht aus einem Sprengwerk, das auf zwei seitlich angeordneten, flächigen Tragelementen („Scheiben“) gelenkig gelagert ist.
Die tragenden Spanngitter sind über zwei Geschosse hinweg mit Ober- und Untergurt biegesteif an die Stützen angeschlossen. Diese Verbindungen bilden eine aussteifende Fläche, die als Scheibe wirkt und dem Rahmen seine horizontale Steifigkeit verleiht – also das sogenannte „Flächenlager“.
Am Anschluss des Obergurts des Sprengwerks an die Stützen ist in Detailzeichnungen eine horizontal verschiebliche Schraubverbindung zu erkennen. Sie verhindert, dass die aus den negativen Rahmeneckmomenten resultierenden Zugkräfte in die Stützen eingeleitet werden. Diese Lösung sichert die Gelenkwirkung ab und vermeidet kritische Beanspruchung der Stützen durch unerwünschte Biegemomente.
Die gewählte Konstruktion zeigt ein hohes Maß an ingenieurtechnischem Verständnis. Trotz für uns heute unvollständiger Unterlagen zu Rechenmodellen wurde ein Tragwerk entwickelt, das über 75 Jahre funktionstüchtig blieb. Die Kombination aus biegesteifer Unterkonstruktion und gelenkigem Dachtragwerk stellte eine damals innovative Lösung zur Queraussteifung dar.
Ein Problem bleibt: Die hohen, schlanken Stützen sind aufgrund ihrer Geometrie sehr anfällig für Biegeknicken, besonders bei zusätzlicher Momentenbelastung aus den Rahmenecke. Zudem wurde im Modell eine Einspannung im Fundament angenommen, die in der Realität nicht nachgewiesen ist. Aus heutiger Sicht eine sehr gewagte Konstruktion aber die Planenden vertrauten auf ihr Wissen (… und die Reserven aus der mehrfach statischen Unbestimmtheit)
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Das Entwässerungssystem

Die Entwässerung des Glaspalastes war weit mehr als nur ein funktionales Detail – sie war integraler Bestandteil des konstruktiven Gesamtkonzepts. Statt sichtbarer Fallrohre oder außenliegender Ableitungen wurde das Regenwasser unsichtbar über das Tragwerk selbst abgeführt. Dieses ausgeklügelte System verbindet Dach, Stützen und Fundament zu einem kontinuierlichen Leitungssystem, das architektonisch elegant und technisch fortschrittlich zugleich ist. Die folgenden Abbildungen und Erläuterungen zeigen, wie Regenwasser vom Glasdach über die Stützen bis zu unterirdischen Reservoirs geführt wurde.
Zur Entwässerung des Dachs nutzte der Glaspalast das bewährte „ridge and furrow“-System, das bereits beim Londoner Crystal Palace eingesetzt wurde. Das Prinzip: abwechselnd geneigte Dachflächen, die das Regenwasser schnell und effizient sammeln und ableiten. Diese Form wurde ursprünglich für Gewächshäuser entwickelt – hier aber systematisch auf das Großbauwerk übertragen.
Von den Dachflächen wurde das Regenwasser direkt in Dachrinnen über den Sprengwerken und Spanngittern gesammelt. Von dort aus gelangte es über Öffnungen in den Hohlraum der gusseisernen Stützen, die so als senkrechte Fallrohre dienten.
Der Innenraum der hohlgegossenen Säulen wurde gezielt zur Entwässerung genutzt. Besonders raffiniert: Die Säulen standen auf speziell ausgebildeten Stützenfüßen, die das Wasser ins Fundament ableiteten, ohne dabei statische Funktionen zu beeinträchtigen.
Unterhalb der Parterre war ein verzweigtes Rohrsystem installiert, das das Regenwasser aus allen Bereichen des Gebäudes sammelte und in Richtung der Sammelbecken leitete.
Drei über die Längsachse des Gebäudes verteilte unterirdische Wasserreservoirs sammelten das abgeleitete Regenwasser. Diese dienten vermutlich nicht nur als Speicher, sondern auch zur kontrollierten Ableitung oder Nutzung des Wassers.
Wasser spielte im Glaspalast eine bedeutende Rolle: Im Inneren befanden sich drei Brunnen, von denen der mittlere als zentrales Element der Raumgestaltung diente, wie eine historische Zeichnung zeigt.
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Die Bauphase

Der Bau des Glaspalast in München ist ein Symbol industrieller Präzision und bautechnischer Pionierleistung. In nur 9 Monaten wird die Bauausführung organisiert, es werden 298 Säulen, 520 Sprenggitter und 35 Sprengwerke produziert, nach München transportiert und dort montiert. An den produktivsten Tagen zählte die Baustelle über 600 Arbeiter.
Am 22.08.1853 erhält Chefarchitekt August von Voit den Auftrag und erarbeitet den Vertrag mit dem Bauunternehmen Cramer Klett (11.09.1853). Dort wird ein ehrgeiziger Zeitraum vereinbart. Bis zum 08.06.1854 soll der Glaspalast fertiggestellt sein. Bei Verzug gibt es in der ersten Woche 1000 Gulden und ab der 2. Woche 2000 Gulden Strafe pro Tag.
Am 24.09.1853 übernimmt Voit die Bauleitung ihm stehen Bauzeichner und ein Ingenieur zur Verfügung. Die Werkplanung bei Cramer Klett erfolgt parallel zur Baustelleneinrichtung und wird von Johann Ludwig Werder geleitet.
Mitte Oktober (17.10.1853) wird mit den Fundamentarbeiten begonnen. Bis Jahresende waren alle Fundamente erstellt und die Säulenstühle eingemauert. Mit einer von Werder entwickelten Vorrichtung konnten nun die Säulenfüße auf die Säulenstühle gedreht und nivelliert werden. Diese Justierung erlaubt eine exakte Montage trotz unregelmäßigem Untergrund.
Am 18. Januar 1854 begann man die Baugerüste aufzustellen. Mögliche Bodensetzungen erfordern ein leichtes und flexibles Gerüst. Nach Kritik wurden die Konstruktionen zusätzlich verstärkt.
Um möglichst viele Arbeiter gleichzeitig einsetzen zu können, begann man an mehreren Stellen mit dem Aufbau. Zuerst wurden Querbau und östlicher Flügel eingerüstet. Deren Rüsthölzer nutzte man später für den westlichen Flügel weiter, um Material zu sparen. Die Längsschiffe errichtete man ohne Gerüst mit auf Schienen fahrenden Kränen und Plattformen. Nach dem Verbinden der Eisen- und Holzteile wurden die Wände im Taktverfahren verglast – ein rationeller Ablauf, der Rüstkosten sparte.
Am 27.02.1854 werden die ersten 11 Säulen gesetzt, das erste Sprenggitter wird getestet und nur knappe 2 Wochen später montiert. Es beginnt die akribisch geplante und bis ins Detail getakte Montage der Konstruktion. Mit Anfang März noch knapp 300 Arbeiter sind es Ende März schon 600.
Die Fortschritte am Bau sind auf eine der Akkordarbeit-ähnlichen Bauablauf zurückzuführen. Um dies zu ermöglichen, entstanden zwei große Arbeitshütten mit einer Länge von über 35 m im mittleren Querschiff. Hier wurden die Sprengwerke zusammengesetzt, die Sprenggitter abgelängt und die Tragfähigkeit geprüft. Gleichzeitig wurden die Diagonalstäbe für die Dachaussteifung gereckt.
Nachdem das erste Sprengwerke auf seine Tragfähigkeit geprüft wurden. Konnte am 01.04.1854 das erste von 35 Sprengwerken mit Kränen montiert werden. Die Hebetechnik auf Schienen erlaubt eine schnelle und sichere Montage, so dass nur 4 Tage später schon elf der Sprengwerke montiert waren.
Ende April bestätigt Voit durch die Freigabe der noch fehlenden Zahlung an das Unternehmen Cramer Klett die Fertigstellung des Rohbaus. Das Eisenskelet wurde somit in nur 2 Monaten errichtet.
Mit der Verglasung des Gebäudes wurde bereits am 18.04.1854 im Taktverfahren begonnen.
Die offizielle Übergabe an die Industrie-Ausstellungs-Commision (Bauherrenschaft) erfolgt wie vertraglich vereinbart am 08.06.1854. Nur eine Woche zuvor wurden die Galerien fertiggestellt und einen Tag vor Übergabe wurde die Verglasung abgeschlossen.
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Pause

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Awareness information

Münchner Glaspalast:

Der Münchner Glaspalast wurde 1854 als monarchisches Prestigeprojekt errichtet – ein Bauwerk, das Fortschritt und kulturelle Größe sichtbar machen sollte.  Er war öffentlich zugänglich, doch nicht alle Gruppen konnten gleichberechtigt dort ausstellen, etwa Künstlerinnen waren nur eingeschränkt sichtbar. Der Glaspalast existierte bis zur verheerenden Brandkatastrophe in der Nacht zum 6. Juni 1931. Die genaue Ursache des Feuers ist bis heute unklar – vermutet wurden Selbstentzündung, technischer Defekt oder Brandstiftung. Bei dem Brand gingen über 3.000 Kunstwerke verloren, darunter bedeutende Werke deutscher Romantiker. Heute gilt Kunst und Kultur als demokratisches Gut. Museen und Ausstellungen verstehen sich als offene Räume, doch nicht alle Stimmen finden gleichberechtigt Gehör. Der Glaspalast erinnert daran: Von der monarchischen Repräsentation zur demokratischen Teilhabe ist ein langer Weg. Die Frage bleibt aktuell: Wer wird in Kunst und Kultur sichtbar – und wer bleibt unsichtbar? (Mehr dazu hier.)

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