Anhalter Bahnhof:
Großbauten wie der Anhalter Bahnhof erzählen nicht nur von technischer Innovation und städtebaulicher Bedeutung – sie sind auch Zeugnisse der oft übersehenen Arbeit jener, die sie errichteten.
Trotz des Einsatzes moderner Hebetechnik beim Bau des Anhalter Bahnhofs mussten viele Materialien wie Ziegel und Mörtel weiterhin von Hand transportiert werden. Auch das „Löschen“ des Kalks – eine körperlich belastende und gesundheitlich riskante Arbeit – wurde meist jenen überlassen, die sich unter prekären Bedingungen ihren Lohn durch Nachtarbeit ein wenig aufbessern mussten. Diese und andere Tätigkeiten auf Baustellen waren oft unsichtbar, obwohl sie das Fundament für imposante Bauwerke wie den Anhalter Bahnhof bildeten. Am Beispiel des Anhalter Bahnhofs wird deutlich, was für viele Bauwerke weltweit gilt: Die Geschichte des Bauens ist auch eine Geschichte körperlicher Belastung, sozialer Ungleichheit und geringer Anerkennung für die vielen, die an solchen Großprojekten mitwirkten. Während sich Arbeitsbedingungen, Arbeitsschutz und soziale Absicherung für die inländischen Arbeiter:innen verbessert haben, sind die Arbeitsbedingungen für Leiharbeiter:innen weltweit bis heute häufig von Ausbeutung, mangelnder Sicherheit und niedrigen Löhnen geprägt. (siehe Bericht der UN zu Moderne Sklaverei und Arbeitsausbeutung)