- Historischer Hintergrund
- Nutzungsgeschichte
- Eigentumsverhältnisse
- Architektonische Besonderheiten
- Mit dem Ziel, wasserverbrauchsfreie Kühlsysteme für zukünftige Kraftwerksgenerationen zu entwickeln, gewann in den 1960er und 70er Jahren die Trockenkühlung zunehmend an Bedeutung. Dies geschah vor dem Hintergrund einer globalen Wasserverknappung und wachsender Umweltanforderungen – es galt, weniger Wasser für den Kühlprozess zu verbrauchen und, kein warmes Wasser in das Ökosystem zurückzuführen.
Da Trockenkühlsysteme aufgrund ihres Funktionsprinzips deutlich größere Bauvolumina erfordern, stießen klassische Stahlbetonschalen an wirtschaftliche und technologische Grenzen. Der Seilnetzkühlturm war eine Antwort auf diesen Wandel: eine neuartige, vorgespannte Seilnetzmembran ermöglichte erstmals eine leichtere und deutlich höhere Turmkonstruktion. - Der Seilnetzkühlturm diente von 1986 bis 1989 als Prototyp zur Abwärmeabfuhr des Hochtemperatur-Kernkraftwerks Hamm-Uentrop (THTR 300). Mit dessen Stilllegung verlor auch der Turm seine Funktion. Der großflächige Einsatz blieb begrenzt, da die Trockenkühlung bei hohen Außentemperaturen an Effizienz verliert und mit hohem technischen Aufwand verbunden ist. In Deutschland blieb dieses Verfahren mit dem Seilnetzkühlturm ein einmaliger Versuch. Die vorgespannte Seilnetzstruktur bot dennoch erstmals eine realisierbare Lösung für Bauhöhen und Durchmesser bis zu 300 m.
- Der Bau wurde von der Hochtemperatur-Kernkraftwerk GmbH in Auftrag gegeben – einer Betreibergesellschaft unter Beteiligung mehrerer Energieversorger, insbesondere der Vereinigten Elektrizitätswerke Westfalen (VEW). Da es sich um ein technologisch wegweisendes Pilotprojekt handelte, unterstützte das Land Nordrhein-Westfalen das Vorhaben auch finanziell.
- Die Form des Seilnetzkühlturms – ein Rotationshyperboloid – ist funktional begründet, weil sie den Kamineffekt und damit die Luftkühlung unterstützt. Geometrisch ergibt sie sich aus einem Gleichgewichtszustand der vorgespannten Netzstruktur.
Die riesige Form hätte leicht plump und platt wirken können, wenn nicht die Verkleidung des Turmes innen liegend käme und so das außen liegende Seilnetz der Form Struktur und Gliederung geben würde.
Sichtbar schafft das Seilnetz technische Lesbarkeit und eine „ehrliche“ Formensprache, die ohne gestalterisches Beiwerk eine starke Präsenz entfaltet.